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EZB: Mario Draghi halbiert Anleihekäufe – lässt Zinsen niedrig – Goldpreis steigt

Kaum war es verkündet, stieg auch schon der Goldpreis an: Die EZB hat heute beschlossen, die Zinsen niedrig, teilweise auf NULL Prozent zu lassen und im nächsten Jahr weniger Staatsanleihen als bisher zu kaufen. Der Goldpreis in Euro quittierte es mit einem Anstieg um 6 Euro pro Feinunze. Mit Verkündung der Entscheidung setzten nochmals massive Käufe deutsche Anleger ein, die physisches Gold (Goldbarren und Goldmünzen) bevorzugen.

EZB kauft immer noch für 30 Milliarden Euro im Monat

Die EZB reduziert zwar ihre Anleihekäufe im nächsten Jahr auf die Hälfte, d.h. sie kauft dann aber immer noch für 30 Milliarden (!) Euro im Monat Staatsanleihen und andere vom Markt weg, um die Märkte und Staaten mit Liquidität zu versorgen. Dies entspricht nichts anderem als bloßem Gelddrucken. Die EZB tut dies, obwohl ihr die Inflation, die sie gerne höher hätte, noch nicht hoch genug ist. Allerdings muss man auch sehen, dass der Europäische Gerichtshof der EZB Grenzen aufgezeigt hat: Mehr als Drittel der Staatsanleihen eines Landes dürfe sie nicht kaufen, – die EZB wäre ansonsten im nächsten Jahr zwangsweise über diese Grenze gekommen. Ab Januar 2018 will man das monatliche Volumen um 30 Milliarden auf 30 Milliarden reduzieren. Damit hat man einen stärkeren Schnitt vorgenommen als die US-Notenbank FED, die das monatliche Volumen um 10 Milliarden reduziert hatte.

Goldpreis in Euro ging hoch

Der Goldpreis in Euro stieg nach Bekanntgabe von 1081 Euro auf über 1087 Euro pro Feinunze Gold. Als Grund für einsetzende Goldkäufe gaben institutionelle Goldkäufer an:

  • Das Zinsniveau ist nach wie vor bei ca. Null Prozent, damit bleibt Gold ein gutes Investment. Wer Geld zu Null bei Prozent bei einer Bank anlegt, leiht der Bank im Prinzip ohne Vergütung Geld und unterliegt noch dem Risiko, dass die Bank ein Problem hat oder bekommt…
  • Die EZB will die Anleihekäufe im Volumen von 30 Milliarden zunächst noch bis mindestens September nächsten Jahres vornehmen und die Märkte damit auch weiterhin mit Liqudität fluten, wenn auch mit weniger als bisher. Dennoch begünstigt dies die Blasenbildung an Aktien- und Immobilienmärkten. Davon sollte Gold als Krisenmetall profitieren
  • Die EZB hat beschlossen, im nächsten Jahr für über 220 Milliarden Euro Staatsanleihen zu kaufen. Dies führt zum Anstieg der Bilanzsumme der EZB, – die Zentralbank ist offensichtlich nicht in der Lage, die Staaten und Bürger aus der Liquditätsschwemme herauszuholen. Im Herbst nächsten Jahres sitzt die EZB dann auf 2,5 Billionen scheinbaren Vermögenswerten, die die Schuldner bei sofortiger Fälligstellung gar nicht bezahlen könnten.
  • Eine deutliche Zinswende könne damit nicht vor 2019 kommen, – Gold bleibe daher weiter attraktiv
  • Banken müssen auch weiterhin 0,4% an die EZB zahlen, wenn sie Geld auf deren Konten belassen, – dort gibt es also weiterhin NEGATIVZINSEN
  • Die Entscheidung führt dazu, dass große Firmen und Anleger, die Geld liquide vorhalten müssen, weiterhin bei mehreren Banken Negativzinsen zahlen müssen: sie zahlen der Bank dafür Geld, dass sie der Bank Geld leihen: eine verrückte Welt
  • Ein langes künstliches Niedrighalten der Zinsen führt zu einem größeren Risiko, dass Zinsen irgendwann einmal abrupt steigen können, was gravierende Folgen für die Konjunktur und Finanzmärkte haben könnte. Gold als Krisenmetall könnte davor schützen.

Unsicherheiten in der EU fördern Goldpreis

Auch die verschiedenen Unsicherheiten in der Europäischen Union dürften für ein steigendes Interesse an Gold als Krisenmetall sprechen:

  • Politische Unruhen in Spanien: Katalonien will sich abspalten
  • In Italien stimmen Regionen auch schon über Selbstständigkeit ab
  • Nach Neuwahlen in Österreich könnte in der EU ein schärferer Wind wehen, selbst von einem möglichen Öxit war schon die Rede. Auch wenn dieser nicht kommt, scheint es für Deutschland und Frankreich zukünftig schwerer zu werden, Konsens-Beschlüsse in der EU herbeizuführen
  • Auch in Deutschland ist eine neue Regierung noch nicht aufgestellt, aus einige möglichen Koalitionsparteien kommt Sperrfeuer – man wolle Gespräche abbrechen. Auch wenn dies nicht passiert, wird es eine Regierung aus Kompromissen und keine kompromisslose, zukunftsorientierte Regierung
  • Die Brexit-Bedingungen Großbritanniens sind auch noch unklar

Man darf sich also nicht wundern, wenn Anleger auch weiterhin auf Krügerrand und Co als Goldinvestment setzen, statt ihr Geld zu Null Prozent an Banken zu verleihen.

 

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